Fachliche Anforderungen an neuropsychologische Gutachtenspersonen

28.03.2017

Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat am 15.02.2017 eine von uns erhobene Beschwerde gegen die Begutachtung bei der Begutachtungsstelle PMEDA AG durch eine für den Fachbereich Neuropsychologie fachlich nicht qualifizierte Gutachtensperson gutgeheissen.

Die IV-Stelle St. Gallen teilte mit, dass die versicherte Person zur Klärung der Leistungsansprüche medizinisch umfassend bei der PMEDA AG begutachtet werden soll. Als Gutachtensperson für den Fachbereich Neuropsychologie wurde die Psychologin X. vorgesehen. Auf erhobenen Einwand, wobei die fehlende Fachkompetenz im Fachbereich Neuropsychologie sowie die fehlende Neutralität der Gutachtensstelle gerügt wurde, hielt die IV-Stelle an der vorgesehenen Gutachtensstelle PMEDA AG sowie an der neuropsychologischen Begutachtung durch die Psychologin X. fest. Gegen diese Verfügung der IV-Stelle legten wir für unsere Klientin Beschwerde beim Versicherungsgericht ein.

Das Gericht kam zum Schluss, dass die Psychologin X. nicht über die erforderliche Fachkompetenz verfügt, um beweiskräftige neuropsychologische Gutachten zu verfassen. Die Psychologin X. verfügt lediglich über in der Schweiz anerkannte ausländische Aus- und Weiterbildungen zur Psychologin Dipl. Psych. und Psychotherapeutin. Eine Aus- oder Weiterbildung in Neuropsychologie konnte trotz Aufforderung nicht belegt werden. Das Gericht verwarf die Auffassung des Bundesamtes für Sozialversicherungen, wonach neuropsychologische Weiterbildungen für die Tätigkeit als Gutachterperson bloss wünschenswert seien. Vielmehr schloss sich das Gericht der Ansicht der Schweizerischen Vereinigung der Neuropsychologen und Neuropsychologinnen SVNP an. Danach sind Neuropsychologen fachlich qualifiziert, um Gutachten zu erstellen, wenn sie über einen Fachtitel in Neuropsychologie gemäss Weiterbildungscurriculum der SVNP („Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP“) verfügen.

Da der Chefarzt und Leiter der Gutachtensstelle PMEDA AG trotz der ungenügenden Fachkompetenz an der Psychologin X. festhielt, wurde gemäss Gericht das Vertrauen in die fachliche Kompetenz der PMEDA AG und das dortige Begutachtungsverfahren objektiv nachvollziehbar beeinträchtigt. Der Gutachtensauftrag durfte daher nicht an die PMEDA AG vergeben werden. Die IV-Stelle wurde verpflichtet, im Rahmen des Zufallsprinzips über die MED@P eine andere medizinische Abklärungsstelle mit der polydisziplinären Begutachtung zu beauftragen.

Die IV-Stelle verzichtete auf eine Anfechtung des Entscheids beim Bundesgericht. Der Entscheid ist rechtskräftig.

Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Februar 2017, IV 2016/432

Rechtsanwältin Amanda Guyot 

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