Kostenübernahme der IV für den behinderungsgerechten Umbau eines Einfamilienhauses

12.01.2017

Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau hat eine von uns erhobene Beschwerde gegen eine Verfügung der IV-Stelle gutgeheissen.

Unser Klient hatte mit 18 Jahren einen schweren Motorradunfall. Seither ist er sprechbehindert, blind und inkompletter Tetraplegiker. Mit Unterstützung der IV konnte er eine Ausbildung machen. Weil der Vermieter die Wohnung nicht behindertengerecht umbauen wollte und unser Klient keine behindertengerechte Wohnung fand, kaufte er ein Einfamilienhaus und baute dieses um.

Die IV-Stelle übernahm die Kosten für die behinderungsgerechte Gestaltung der Nasszellen für CHF 800.--, einen Duschsitz für CHF 700.-- und ein Dusch-WC-Aufsatz von CHF 2‘150.--. Die Übernahme der restlichen Umbaukosten von rund CHF 55‘000.-- wurde verweigert.

Wir führten für unseren Klienten Beschwerde beim Versicherungsgericht. Das Gericht hiess die Beschwerde weitgehend gut. Das Gericht verpflichtete die IV-Stelle unserem Klienten zusätzlich CHF 28‘000.-- zu leisten für einen behindertengerechten Zugang zum Wohnhaus, für schwellenlose Übergänge im Hausinnern sowie für eine behindertengerechte Gestaltung der Nasszellen und der Küche sowie das entsprechende Architektenhonorar. Für den behindertengerechten Zugang zum Aussensitzplatz, für einen behindertengerechten Zugang ins Untergeschoss und für kleinere Anpassungen wie Raumlüftung, Elektroinstallationen und Internetanbindung wurden Kostenbeiträge verweigert. Der Zugang zum Aussensitzplatz wurde mit der Begründung verweigert, dass dieser weder der Fortbewegung noch der Herstellung des Kontakts zur Umwelt diene und auch nicht die Autonomie des Beschwerdeführers im Rahmen der Selbstsorge fördere. Der Zugang zum Untergeschoss sei nicht notwendig, weil unser Klient die dort platzierte Heizung und weitere Installationen ohnehin nicht selbst reparieren könne. Die Raumlüftung, Elektroinstallationen und das WLAN seien nicht behinderungsbedingt.

Urteil der I. Kammer des Versicherungsgerichtes des Kantons Aargau vom 29. November 2016, VBE 2016.336

Rechtsanwalt Michael B. Graf

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